Projektchor Roma Songs – Konzerte zum Menschenrechtstag am 10.Dezember 2023

mit Uraufführung: «Wir Kinder der Landstrasse», Kantate op.22 von Roger Moreno-Rathgeb. Mit 11 Lieder der Roma und Sinti und 2 Lieder aus der Romantik von Brahms und Schumann.

Leitung: Martin Lugenbiehl


Das Bild ist von Ceija Stojka

Konzertprogramm siehe unten.

Wir suchen MitsängerInnen, vor allem Männerstimmen für den Projektchor. InteressentInnen bitte melden bei info@stimmeundchor.de oder +41 (0)52 222 72 63 

Die drei Probewochenenden:

Herbst 2022: 05.11.-06.11.22 in Winterthur 
Frühjahr 2023: 13.05.-14.05.23 in Winterthur
Herbst 2023: 30.09.-01.10.23 in Winterthur

Konzerte, Orte und Termine:

Hauptprobe 1: Freitag, 27.10.23 geplant in Winterthur
Konzert 1: Samstag, 28.10.23 geplant in Winterthur
Konzert 2: Sonntag, 29.10.23 geplant in St.Gallen
Hauptprobe 2: Freitag 808.12.23
Konzert 3: Samstag, 9.10.23 geplant in Zürich
Konzert 4: Sonntag, 10.10.23 geplant in Bern

Winterthur, Bern, Zürich, St.Gallen,  27.-29. Oktober 2023 und 08.-10. Dezember 2023

Projekt «Roma Songs» mit Projektchor und Ensemble («Sebass») mit Konzerten Ende 2023 zum Menschenrechtstag. Gesamtleitung: Martin Lugenbiehl, Ensembleleitung: Nehrun Aliev.

Das Konzertprogramm:
Gegen Vertreibung, Diskriminierung und Völkermord
Konzert 1. Teil
Lieder der europäischen Roma und Sinti
• «Ausvicate hi kher baro»
• «Dzas Cali Famlija»
• «Djelem Djelem» (Hymne der Roma)
• «Pasija pre tschjar tumano» (Trad. / Bekannt in Russland und Polen)
Song des Instrumental-Ensemble «Sebass»
Uraufführung Kantate op.22 «Wir Kinder der Landstrasse» 
Auftragskomposition von Roger Moreno-Rathgeb (Komponist des «Auschwitz-Requiem») 
•Teil I Ballade: Ballade der geraubten Kinder
•Teil II Marsch: Marsch der verlorenen Seelen
•Teil III Elegie: Klage ohne Worte
•Teil IV Choral: Mit Hoffnung und Mut

Das Leben als Fest: Für Toleranz & Lebensfreude
Konzert 2. Teil
Lieder der verklärenden Romantik
• «Zigeunerlieder Nr. 1 Hej Zigeuner» von Johannes Brahms
• «Zigeunerleben» von Robert Schumann
Song des Instrumental-Ensemble «Sebass»
Lieder der europäischen Roma und Sinti
• «Aj Dewlale, Koj Odi» 
• «Loli phabay / Ando verdan / Hop, hop, hop» 
• «Amarizi Amari / Keren Schworale, Drom» 
• «La Romnjasa me te lav»
• «Ederlezi» (Bekannt durch den Film «Time of the Gypsies»)
• «Romano habe» (Hans Samer, Rom aus dem Burgenland)
• «Nane Cocha» (Auch im Film «Zigeunerlager zieht in den Himmel»)

 

Der Projektchor

Der Chor gründete sich mit dem ersten Probenwochende Ende März 26./27.03.2022. Es singen erfahrene Sängerinnen und Sänger aus der Schweiz und einige wenige aus Deutschland. Am ersten Probewochenende waren 30 SängerInnen dabei. Wir suchen noch dringend Männerstimmen!

 



Das Projektensemble – Sebass

Wir freuen uns, dass die Weltmusikgruppe Sebass die Instrumentalbegleitung übernimmt. Zwei aus der Band haben Roma Wurzeln. Die Ensemble-Leitung für das Projekt hat Nehrun Aliev übernommen. Die Bandmitspieler fürs Projekt sind: Akkordeon, Vocals: Seraphim von Werra, Klarinette, Akkordeon: Nehrun Aliev, Gitarre: Hüseyin Amedov, Bass: Sebastian Zehnder, Perkussion: Adrian Böckli

Musikalische und Gesamtleitung des Projekts: Martin Lugenbiehl

Martin Lugenbiehl

Er startete als Chorleiter 1991 mit der Gründung des “Internationalen Buchtstraßenchor Bremen”. 2007 wechselte der der Liebe wegen in die Schweiz. Er leitete “Jazz Vokal Winterthur”, “De Colores” und weitere Chöre. 2013 gründete er den «Giesserei Chor», seit 2018 leitet er den Rock- und Gospelchor «Rainbow Chor» aus Bassersdorf. Bisherige grössere Projekte: „Armenisches Oratorium“ von K. Avedissian, Projekt «Romania Cantat», mit dem Rainbow Chor das «Gershwin Konzert»  und  «Genesis & Supertramp». Er leitet seit 25 Jahren die Chorwoche in Salecina / Maloja und seit 15 Jahren die Silvesterwoche im Lindenbühl / Trogen. In Chorworkshops verbindet er die Lust am Singen mit stimmbildnerischer Schulung, Klangfindung als Chor und einer Erweiterung des Repertoires (Klassik, Folk, Jazz).

Die Uraufführung «Wir Kinder der Landstrasse», Kantate op.22 von Roger Moreno-Rathgeb

Der Komponist Roger Moreno-Rathgeb wurde durch das «Auschwitz Requiem» in Europa bekannt. Dadurch erfuhr auch der Dirigent Martin Lugenbiehl von ihm. Schnell war klar, dass das Requiem für einen Laienprojektchor nicht aufführbar ist. Doch es entstand die Idee nach einer Komposition für den Projektchor Roma Songs, die Diskriminierung von Roma, Sinti und Jenischen zum Thema hat. Roger Moreno-Rathgeb erzählte, dass er eine Oper zum Thema „Hilfswerk der Kinder der Landstrasse“ in entfernter Planung habe. Und so entstand die Idee zur Auftragskomposion «Wir Kinder der Landstrasse».

Roger Moreno-Rathgeb ist in Zürich geboren und aufgewachsen. Und somit mit der Geschichte und dem Hintergrund des «Hilfswerks für die Kinder der Landstrasse» vertraut.

Hintergrund der Kantate: Der Pädagoge Alfred Siegfried, Initiant und Ideologe der Abteilung «Kinder der Landstrasse» bei Pro Juventute gründete diese Abteilung 1926. In Zusammenarbeit mit verschiedenen staatlichen Behörden nahm dieses „Hilfswerk“ im Zeitraum von 1926 bis 1973 um die 600 Kinder ihren Eltern weg und entriss sie ihren Familien. Mit dem ideologischen Ziel, ihre Identität als Jenische und Sinti zu zerstören und die Lebensweise der Fahrenden zu diskriminieren und zu vernichten.

Inhalt der Kantate: Teil 1: Die Ballade der geraubten Kinder: Nach einem klassisch anmutenden Eröffnungsthema des Ensembles übernimmt der Chor dieses Thema und schildert die Not, das Elend und den Schmerz der damals – in jener Zeit während des Projektes „Kinder der Landstrasse“ – geraubten, entführten und misshandelten Kinder des fahrenden Volkes.

Teil 2: Marsch der verlorenen Seelen: Dieser Teil beschreibt das Wechselbad der Gefühle von den verschleppten Kindern während ihrem Marsch ins Ungewisse. Einerseits der unsagbare Schmerz über das Vermissen der Eltern, der Verlust des Elternhauses, das Vermissen elterlicher Liebe und Wärme, und der Verlust der familiären Umgebung.

Teil 3: Elegie: Klage ohne Worte: Der Titel dieses Teiles sagt es bereit: hier gibt es keinen Text. Hier soll pur aus der Musik und dem textlosen Gesang die Klage über Schmerz, Wut, Kampf, Hoffnung und Trauer zum Ausdruck gebracht werden.

Teil 4: Choral: Mit Hoffnung und Mut: In regelmässigem Wechsel zwischen Dur und Moll wird hier gesungen über den Mut, um für die Freiheit und ein besseres Leben zu kämpfen, und über die Hoffnung, dass trotz aller Narben der Vergangenheit der Schmerz irgendwann einmal in den Hintergrund treten wird, die Menschheit sich zum Positiven verändern wird, und die Freiheit und ein friedliches Leben in Zukunft zurückkehren werden. Mit den Worten „Und dann wird unsere Zeit kommen“ endet das Werk in einem hoffnungsvollen Dur-Akkord.

Roger Moreno Rathgeb
Alfred Siegfried (1890-1972) bringt jenische Kinder in eine Anstalt. Bild von Hans Staub. (1953)

Wie kam es zu dem Projekt «Roma Songs»?

Als Musiker fasziniert mich schon seit meiner Jugend die Musik der Roma und Sinti. Musik, welche die Herzen der Menschen erreicht. Ihre lebendigen Lieder von Leben und Leid und ihre virtuose Instrumentalmusik lassen den Puls den Lebens spüren. Überall in Europa wird diese Musik gespielt bei Festen & Hochzeiten. «Zigeuner-Jazz» mit seinen Protagonisten Stéphane Grappelli und Django Rheinhard mit seiner speziellen Rhythmik begeistert heute noch rund um den Globus. Die Roma und Sinti und ihre Musik haben auch Komponisten der Kunstmusik inspiriert. (Haydn, Pugni, Bizet, Verdi, Giovanni Battista Viotti, Sarasate, Ravel, Brahms, Rachmaninow, Liszt). In der Romantik diente das «Zigeuner-Sujet» eher verklärend als Projektionsfläche. Heute haben Roma und Sinti MusikerInnen ihren festen Platz im Musikleben in Europa. 

Als politisch beobachtender Mensch interessierte mich, warum Menschen andere Menschen und Gruppen diskriminieren und quälen. Und gar vor der systematischen Ermordung nicht Halt machen. In Deutschland aufgewachsen suche ich noch immer Antworten auf die Frage: Wie konnten die Nazis an die Macht kommen? Wie konnten Vorurteile sich zuspitzen zu einer Ideologie und Praxis der des Rassenwahns und Völkermorden an den Juden, den „Zigeunern“, Schwulen, Behinderten mit Millionen von Toten? Meine Hoffnung: Mit solchen Projekten einen kleinen Beitrag leisten für eine für Alle lebenswerte Welt. Gerne möchten wir durch gemeinsames Musizieren Vorurteile abbauen, damit sich solches nie mehr wiederholt.

Über weitere Unterstützung, Kontakte und Tipps freut sich das Projekt. Wir suchen Kontakte zu Roma und Sinti, zu Sänger-und Sängerinnen, Probeorte, Pressekontakte, Konzertorte und Sponsoren und Unterstützer für die Finanzierung. Martin Lugenbiehl